Montag, 24.  April 2017

Die Tarifverträge von 1925 - 1994

Allgemein

Allgemeines

"Der Lehrling erhält eine Vergütung und gegebenenfalls andere Leistungen ( … ) nach den jeweils geltenden Bestimmungen des Tarifvertrags für Lehrlinge der Deutschen Bundespost“. So stand es in unserem Lehrvertrag. Auch Arbeitszeit und Urlaub waren im „TV Lehrl“ geregelt- und damit war der Lehrling von 1967 glücklich in ein umfangreiches und sozialverträglich ausgewogenes Geflecht tariflicher Vereinbarungen eingebettet.
Verguetung_38Erziehungsbeihilfe 1938Der Weg bis 1967 war lang und es ging dabei nicht immer nur „bergauf“, wie man aus den tariflichen Vereinbarungen und Verträgen seit Anbeginn der Lehrlingsausbildung herauslesen kann (s. Download-Bereich). Es ist ganz interessant, in diesen alten Dokumenten zu stöbern, weil die hölzerne Verwaltungssprache das geschichtliche Auf und Ab der Jahre bis 1945 dokumentiert, aber auch die Neuanfänge in den Gründerjahren der Bundesrepublik und die stetigen sozialen Fortschritte bis zu unserer Lehrzeit widerspiegelt.

„Allgemeine Grundsätze über Telegraphenbaulehrling“, damit begann am 21. März 1924 die Geschichte der Telegraphenbaulehrlinge (später Fernmeldelehrlinge). Mit diesen Grundsätzen wurden die Voraussetzungen für eine Ausbildung bei der Deutschen Reichspost geschaffen. Im April 1925 begann dann der erste dreijährige „Lehrgang“ mit einer 51 Stundenwoche und 14 Pfennigen Stundenlohn.

Durch Weltwirtschaftskrise und Inflation bedingte „Notverordnungen“ weichten die tariflichen Regelungen in den nächsten Jahren ständig auf, wobei unsere Vorväter u. a. mehrere empfindliche Absenkungen der Stundenlöhne hinnehmen mussten. Dieser Prozess wurde erst 1938 gestoppt, man war da mittlerweile bei 30% des Lohnniveaus von 1929.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Abschaffung der Gewerkschaften endete 1933 vorerst die Tarifautonomie. Die Löhne wurden in einer „Dienstordnung für die Arbeiter der Deutschen Reichspost“ einseitig festgesetzt und ab 1938 von einem „Reichstreuhänder für den öffentlichen Dienst“ in einer „Richtlinie für Handwerkslehrlinge im öffentlichen Dienst“ veröffentlicht.

Nach 1945, den Aufbauzeiten nach dem Krieg, waren Lehrlinge für lange Zeit überall heiß begehrt und ein Arbeitgeber musste da schon was bieten. Die Gewerkschaften waren wieder Tarifpartner und an den Tarifverträgen der Nachkriegszeit sieht man, wie sich das Verhältnis zwischen Lehrherrn und Lehrling permanent fortentwickelte. In aller Regel mit deutlichen Verbesserungen für die Lehrlings-Seite.
1947, es gab noch die Reichsmark, wurden zunächst die alten Regelungen der früheren Deutschen Reichspost übernommen und dazu Vereinbarungen zwischen der „Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen im Vereinigten Wirtschaftsgebiet“ und einer „Arbeitsgemeinschaft der Gewerkschaften Post- und Fernmeldewesen der US- und Britischen Zone“ getroffen. Erst ab 1949/1950, nach der Gründung der Bundesrepublik, entstanden die Deutsche Bundespost und das Postministerium sowie die Einzelgewerkschaften; sie vereinbarten 1951 die Übertragung der bisherigen Regelungen auf den Bereich der DBP.

Die Lehrlingsvergütung hieß noch „Erziehungsbeihilfe“; diese war in Lohngebiete, Ortslohn- und Altersklassen gestaffelt. Besondere Zuschläge bekamen - hier schlägt sich die Situation der unmittelbaren Nachkriegszeit nieder - Waisen bzw. Lehrlinge, deren Väter noch in Gefangenschaft waren. Mit einem Zuschlag belohnt wurden auch die Fernmeldebaulehrlinge für ihre doch mehr körperliche und kräftezehrende Arbeit. Auch für die „auswärtigen“ Lehrlinge wurde etwas getan, sie erhielten eine Unterhaltsbeihilfe für Unterkunft und Verpflegung, und da dies hinten und vorn nicht reichte, zeitweise auch ein extra Taschengeld. Später gab es bei größeren Entfernungen zum Heimatort auch bezahlte Familienheimfahrten mit zusätzlicher Freizeit und die Unterkunftskosten wurden größtenteils vom Arbeitgeber getragen.

Anfangs galt noch die 6-Tage-Woche mit 51 Stunden Arbeitszeit, schrittweise wurde dies auf eine 40-Stunden-Woche mit 5 Arbeitstagen reduziert. Der Urlaub erhöhte sich von ursprünglich 15-18 Arbeitstagen auf 24 Werktage.

Meilensteine der Tarifvertrags-Geschichte:

1924 erster Tarifvertrag mit den " Grundsätzen für Telegraphenbaulehrlinge"
1931 – 1938 Lohnkürzungen
1934 Einführung der Dienstordnung für die Arbeiter der Deutschen Reichspost
1938 Einführung des Wochenlohnes
1944 Einführung des Monatslohnes
1948 die erste Nachkriegs-Tarifvereinbarung wird wirksam
1950 Gründung der Deutschen Bundespost
1951 die Vereinbarungen werden auf den Bereich der DBP übertragen
1952 gibt es erstmals Weihnachtsgeld
1957 Neufassung des Tarifvertrages (TV Lehrl) u. a. werden Schmutzzulage und Pauschgeld festgeschrieben.
Die 42 Stunden-Woche wird eingeführt
Sozialversicherung und Arbeitslosenversicherung wird Pflicht.
Die Zuschläge für Fernmeldelehrlinge und für Waisen werden abgeschafft.
Die Unterhaltsbeihilfe für auswärtige Lehrlinge (Heimbewohner) wird neu geregelt.
1963 Gewährung von Beihilfen für Lehrlinge im Krankheits- und Todesfall
1964 Neufassung des Tarifvertrages für Lehrlinge. Einführung der 5 Tage - Woche
Den Lehrlingen wird ein Gehaltskonto bei den Postscheckämtern eingerichtet.
1968 Orts- und Lebensjahrklassen werden vereinheitlicht.
1969 Die Pflichtmitgliedschaft bei der Versorgungsanstalt der DBP (VAP) wird eingeführt
1970 Vermögensbildung für Lehrlinge
1975 die Vergütung erhöht sich mit Vollendung des 18. Lebensjahres um 50.-- DM
1976 Neufassung des Tarifvertrages für Auszubildende (TV Azb)
1977 erstmalig wird im Juli ein Urlaubsgeld ausbezahlt
1988 der Erziehungsurlaub, der Grundwehr- und Zivildienst werden geregelt.
1992 die Vergütung überschreitet erstmals die 1000.-- DM (ab 2. Ausbildungsjahr)
1994 der letzte Tarifvertrag mit der Deutschen Bundespost wird abgeschlossen.
Besitzstandswahrung der betrieblichen Sozialleistungen und – einrichtungen,
der Selbsthilfeeinrichtung und der Wohnungsfürsorge vereinbart.

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